LEBEN MIT EINEM, DER LEBT

Wozu es Sakramente gibt - von Dr. Bernhard Körner

Ein guter Freund hat eine schöne Formel für das Christ-sein gefunden: „Leben mit einem, der lebt“. Damit hat er auf den Punkt gebracht, dass Christ-sein nicht heißt, sich mit Respekt an einen Verstorbenen zu erinnern, sondern dass Christen daran glauben und damit rechnen, dass Christus von den Toten auferstanden und gegenwärtig ist.

Wenn es um Beziehung geht

Leben mit einem, der lebt. Es geht also um ein Leben mit Jesus Christus, um eine Beziehung zwischen ihm und uns. Es ist eine Erfahrung: Beziehungen, die nicht irgendwie ‚greifbar‘ werden, verblassen und sind bald am Ende. Das gilt für jede Freundschaft. Beziehungen brauchen Begegnung von Angesicht zu Angesicht, Aufmerksamkeit, Beziehungen brauchen Zeichen, in denen sie zum Ausdruck kommen: ein Besuch oder ein Anruf, ein Geburtstagsgruß, ein Kuss, Zeit füreinander, gemeinsames Essen und Feiern…

Das gilt auch für die Beziehung zu Gott. Aber sofort stellt sich die Frage: Wie soll denn das möglich sein? Gott ist ja unsichtbar und ungreifbar. Wo kann ich Gott begegnen? Überall, sagt uns der Glaube. Überall ist er unsichtbar gegenwärtig. Aber wo kommt er mir greifbar entgegen? Wie kann ich konkret darauf antworten?

Begegnung mit Gott durch Jesus Christus

Um diese Fragen zu beantworten müssen wir von der Mitte unseres Glaubens ausgehen. Diese Mitte ist Jesus Christus. Wir bekennen uns zu ihm als dem Sohn Gottes – das heißt: In ihm kommt uns Gott entgegen, sucht er die Beziehung mit uns. Die Evangelien zeigen, auf wie vielfältigen Wegen er als Mensch den Menschen begegnet ist. Und in diesen Begegnungen sind die Menschen – so haben sie es erfahren – nicht nur einem Menschen begegnet, sondern in ihm auch Gott. 

Zachäus ist dem barmherzigen Gott begegnet, der sogar Betrüger nicht links liegen lässt; die Apostel dem göttlichen Herrn, der sie zu einem neuen Leben beruft; die Frau am Jakobsbrunnen bekennt am Ende: Er ist ein Prophet; die Sünderin begegnet in Jesus Gott, der sie aus der Hand ihrer Ankläger befreit; Thomas begegnet dem Auferstandenen und bekennt: ‚Mein Herr und mein Gott!‘

Sakramente sind Begegnungsräume

Die Urkirche war sich in ihrem Glauben sicher, dass Jesus, der von den Toten auferstanden ist, in ihrer Mitte ist, wo zwei oder drei im Namen Jesu versammelt sind (vgl. Mt 18,20). Und das gilt besonders auch für ihre gottesdienstlichen Feiern, für die Sakramente. So hat man damals die Glaubensüberzeugung gehabt, dass es eigentlich Jesus Christus ist, der in der Taufe tauft, der mit den Glaubenden Eucharistie feiert, der im Bußritus die Sünden vergibt usw.

Deshalb kann man Sakramente als geistliche Räume verstehen, in denen wir sicher sein können, dass wir Christus begegnen. So hat es der Jesuitentheologe Lothar Lies formuliert. Christus kommt uns entgegen und wir Menschen gehen ihm entgegen. Er streckt gewissermaßen seine Hände nach uns aus – und wir ergreifen sie. Er sucht die Begegnung mit uns – und wir lassen uns darauf ein. 

Sichtbare und wirksame Zeichen

Freilich: In den Sakramenten sehen wir Christus nicht von Angesicht zu Angesicht – aber wir nehmen ihn mit den Augen unseres Glaubens wahr. Der Glaube sagt uns, dass Christus gegenwärtig ist und handelt. Damit dieses Handeln sichtbar wird, gibt es den Dienst des Priesters und des Diakons. In ihren Worten und ihrem Handeln wird das Handeln Christi greifbar. Besonders klar z.B. in der Eucharistiefeier, wenn der Priester sagt: „Nehmt und esst, das ist mein Leib“ oder in der Beichte bei den Worten „Ich spreche dich los von deinen Sünden“. Das sind nicht Worte eines Menschen, sondern Worte Christi durch den Mund eines Menschen. Aber in den Sakramenten wird nicht nur das Handeln Christi sichtbar, sondern auch unser Glaube, mit dem wir uns Christus zuwenden. Das kann eine Kniebeuge sein, das Aufstehen zum Evangelium (weil Christus zu uns sprechen will), das Amen, jedes Gebet usw. 

Zum Abschluss noch einmal – man kann es nicht oft genug sagen: Die Zeichen für Christus sind nicht Erinnerung an einen Vergangenen, sondern Zeichen, in denen Christus gegenwärtig ist und wirksam handelt. Und so kann man am Ende daran erinnern, wie durch Jahrhunderte erklärt worden ist, was Sakramente sind: sichtbare Zeichen, die für eine unsichtbare Wirklichkeit stehen; Zeichen, die bewirken, was sie bezeichnen; Zeichen, die von Christus eingesetzt sind bzw. auf ihn zurückgehen.



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